Gewerkschaft entfernt sich vom gemeinsamen erfolgreichen Kurs
Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser hat Forderungen aus einigen IGM-Bezirken nach Einkommenserhöhungen um bis zu 6,5 Prozent als leichtfertig kritisiert. Damit entferne sich die Gewerkschaft vom erfolgreichen gemeinsamen Kurs während der Krise und riskiere eine Gefährdung der Betriebe in unsicheren Zeiten, warnte Kannegiesser, der betonte, von einem Nachholbedarf könne keine Rede sein. „In den Jahren 2009 und 2010 hätten wir sogar Lohnsenkungen erwarten und verlangen können. Dies wäre aber ein unzumutbarer Bruch mit einer verlässlichen Linie gewesen", sagte Kannegiesser und mahnte: „Dasselbe gilt in die andere Richtung." Voraussetzung für Tarifverträge und Tarifbindung sei der Erhalt des Betriebsfriedens nach Vertragsabschluss: „Wenn dieser zur Beliebigkeit verkommt, braucht es keine Tarifverträge mehr. Deshalb müssen wir gemeinsam Kurs halten." Das wirtschaftliche Umfeld sei immer weniger kalkulierbar, erklärte der Gesamtmetall-Präsident. Viele Krisenherde seien nur überdeckt, aber nicht geheilt worden. Sie könnten jederzeit wieder aufbrechen. Aufgabe der Tarifparteien sei es deshalb, die Betriebe und deren Arbeitsplätze krisensicherer zu machen. „Wir müssen unseren Betrieben ihre finanziellen Handlungsspielräume erhalten, und wir müssen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bewahren." In diesem Zusammenhang nannte Kannegiesser Zeitarbeit unverzichtbar. „In einer immer volatileren Welt sichert sie Arbeitsplätze in Deutschland, integriert Hunderttausende in den Arbeitsprozess. Wenn es ein solches Instrument nicht gäbe, müsste man es erfinden." Die von der IGM zusätzlich geforderte Ausweitung der Mitbestimmung über Zeitarbeit sei "nicht einsichtig, schädlich und deshalb inakzeptabel", so Kannegiesser weiter. Die vorhandenen gesetzlichen Regelungen aus Betriebsverfassung und Rechtsprechung deckten die Mitbestimmungserfordernisse vollständig ab. Die Tarifparteien der Zeitarbeit, die derzeit über eine Annäherung der Verdienste von Zeitarbeitern und Stammbelegschaften verhandeln, mahnte Kannegiesser, „auf dem Teppich zu bleiben": Falls die Kosten zu stark stiegen, werde dies „speziell im Bereich von geringer Qualifizierten viele Arbeitsplätze kosten." Eine völlige Verdrängung der Zeitarbeit hätte erhebliche Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland, warnte Kannegiesser. „Das wäre eine Art Amoklauf wirtschaftlicher und sozialer Unvernunft." Die IGM-Forderung nach einer unbefristeten Zwangsübernahme aller Auszubildenden sei weder notwendig noch zweckmäßig – und zudem mit der gleichzeitig erhobenen Forderung nach mehr Engagement für schwächere Jugendliche nicht vereinbar. (Quelle: Gesamtmetall)
